Pluralität und Nation – Visionen von Gesellschaft
Grundtvig-Lernpartnerschaft der Europäischen Union
Die allgemein anerkannte Idee von einer Nation als einem „großen Ganzen“ scheint die bunte Wirklichkeit nicht mehr zu treffen. Vielerorts begegnet man Menschen verschiedener Sprachen und (Lebens-)Welten, die manches verbindet und einiges trennt. Deutsche Köche, türkische Unternehmerinnen und polnische Galeristen teilen sich die Verkehrswege, Theater, Kinos, Krankenhäuser, Rechtsanwälte und Friseure einer Stadt. Aber sie bewegen sich in ihrer Sprache und bevorzugen „ihre“ Klubs und Kneipen. „Aber“? Auch! Die meisten Dazugekommenen „switchen“ tagaus, tagein zwischen den Kulturen und Sprachen. Viele fühlen sich irgendwie „zweiheimisch“.
Das Bild von der homogenen, einheitlichen Nation scheint aber nicht nur mit Blick auf die Gesellschaften selbst überkommen. Es relativiert sich auch „nach außen“ hin in der inter-nationalen Verflechtung einer durch Internet und Billigflüge zusammenrückenden Welt. Nation ist nicht der alleinige Bezugsrahmen, dieser öffnet und erweitert sich. Trans-nationaler Austausch wird immer selbstverständlicher – in der Ferne wie auch vor Ort. - Was aber hält „transnationale Nationen“, was hält Gesellschaften zusammen? Was ermöglicht kulturelle und soziale Integration? Welches Verständnis von Gesellschaft sollte dem zugrunde liegen?
Die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise kann als Anwendungsfall für diese Fragen betrachtet werden. Sie wurde durch transnationale Finanzspekulationen und die weltweit wachsende Kluft zwischen Arm und Reich hervorgerufen. Dennoch sehen sich die Staaten überwiegend im Wettkampf der Nationen. Welche möglichen europäischen Lösungen gäbe es? Welche Art von Europa wollen wir? Sollte es mehr Kooperation geben? In welcher Hinsicht?
Wir haben keine (festen) Antworten. Wir haben Fragen.
Was ist eine Grundtvig-Lernpartnerschaft?
Es handelt sich dabei um ein 2-jähriges Projekt, in dem Lernende und Trainer|innen die Möglichkeit haben, Ideen, Erfahrungen und Meinungen auszutauschen. Sie konzentrieren sich auf ein Thema und entwickeln „Produkte“, um bei anderen Interesse zu wecken und sie an den Lernergebnissen teilhaben zu lassen. Im Mittelpunkt steht der gemeinsame Prozess, der sowohl in lokalen Gruppen als auch auf transnationalen Treffen stattfindet.
Wir kamen zu sechs Treffen der Gesamtgruppe in Forssa, Hasselt und Berlin zusammen und haben uns auf kreative und spielerische Weise dem Thema angenähert. Weitere Informationen dazu unter "Project Rethink it in Berlin", „Transnational meetings“ und „Teaching material“.
Sophia Bickhardt